die Welt dreht sich so gern um sich selbst

Montag, 26. Oktober 2009

(Er)schöpfung















am Bett angekommen

wird der Schlaf

so übermächtig,

dass er einen

fortreißen kann


von den Füßen,

die auf den Boden

der Tatsachen stehen

sollten

hin in die

willkürlich

wunderlich

erscheinende Welt,

die ungeahnt viel

von uns enthält


wir fürchten uns

vor dem Strom,

der unkontrolliert fließt

in dem wir untertauchen

ohne dann und wann

Luft zu holen,

in dem wir dennoch

nicht ersticken,

weil wir dort

nicht wirklich

leben


wir werden geträumt


es ist nur für uns,

befreit und klärt auf,

aber wir sehen trüb

unter der Oberfläche,

wo das Wasser

dunkel ist


vielleicht

macht es uns deshalb

so viel Angst



Sonntag, 18. Oktober 2009

Atem von Berlin






Man denkt es müsste hektisch sein
laut
und viel zu voll
dabei liegt etwas anderes in der Luft
die nicht dick ist
nur ganz selten mal an den Bahnschienen
wenn Ärger kurz die Ruhe stört
danach tritt Sie wieder ein
ruhig ist es dennoch nicht
lebendig und aufgeweckt
ruht Sie vielmehr in sich
in ihrer ganz eigenen Lautstärke
Sie ruft
schreit
und flüstert
so wie Sie es will und
angemessen findet
zu antworten

Denn Sie wird viel gefragt
anzügliche Fragen
manchmal verrückt, oft albern
stets viel zu ernst, wenn es um die Zukunft geht
viele von ihnen lässt Sie offen
spannt die Menschen gerne auf die Folter
damit sie weiterforschen
mehr erkunden
und in der Bewegung bleiben
die Sie liebt und wie Wellen
fortlaufen lässt
Sie bietet ein Meer der Möglichkeiten
protzt nicht mit ihrer Vielfältigkeit
versteckt die bunten Sachen, das Besondere
tief und gut unter der Oberfläche
damit man es wert sein muss
sie zu finden
sie werden umso mehr bedeutend
weil bei Ihr nicht alles bedeutungsvoll sein muss

Viel normaler als man denkt
akzeptiert Sie großzügig
das Normale und Außergewöhnliche
mischt es auf eine Art, die uns mitreißt
gleichzeitig auffängt
uns begleitet
damit wir uns nicht alleine fühlen
Im Mittelpunkt verhält sie sich bescheiden
es dreht sich viel um Sie
Sie dreht sich lieber um die Welt
Will im grellen Licht stehen
von dem Schatten, den Sie dennoch wirft
beansprucht Sie wenig
Eigentlich will sie nur, dass niemand Ihr den Mund verbietet
und Sie will so gerne
ihren eigenen Atem hören
der wirklich ganz ihr Eigen ist

Dienstag, 13. Oktober 2009

Kampf mit der Selbstdarstellung






Kriegsführung


man setzt das Lächeln

von Marilyn Monroe auf

lässt das eigene gesichert zurück

schützt man das nackte, bloße Ich

So wirft man sich in fremde Posen

Charakterlos zieht man in die Schlacht

Schuss um Schuss

Blitzlichtgewitter


das falsche Lächeln verrutscht nur leicht

Blässe zeigen, statt Blöße geben

Finger spreizen und Haltung wahren

warten auf den nächsten Schuss


Klick.


Wird zum Blickfang des Gebildes

Auf der Bildfläche erschienen

Alles beherrscht

Gewogen. Gemessen

für gut befunden

vorgespielt, für die Taktik gefühlt

damit man detailliert skizziert

nicht so angreifbar ist


Im Auge des Betrachters wird

Subjektiv entschieden

Mit Momentaufnahmen

Alles entschieden

unter Zugzwang kontern

um nicht unterzugehen

allmählich verkrampft

am Bildrand stehen

Das Subjekt mal ganz

Objektiv betrachtet

Selbstreflexion

Gezwungenermaßen


Man weigert sich

kämpft

in dieser Schlacht

um möglichst viel

von sich selbst zu wahren

nicht nachzugeben

erkenntnislos

ganz intakt geblieben

verletzt, meint man,

nichts mehr her zu machen


Wir führen mit uns selbst

dieses Streitgespräch

solange

bis wir vor dem Spiegel stehen

sehen dass uns das eigene Lächeln

viel besser steht

und erkennen:


es muss kein Kampf

es kann auch Tanz sein.