die Welt dreht sich so gern um sich selbst

Freitag, 26. Februar 2010

Keine Panik



Eine viertel Drehung
und ich sehe es auf mich zukommen:
Das Glück
Ich nehme reiß aus und

laufe
laufe
laufe

bis zum Horizont und
als da Schluss ist
umrunde ich die ganze Welt
mit gehetztem Blick zurück
ohne wahrzunehmen

in gezwungenen Pausen
verstecke ich mich
überall dort
wo das Glück bestimmt
keinen Einlass hat

und dann flüchte ich weiter
und renne um mein Leben

doch plötzlich haut es mich um
ich habe nicht aufgepasst
es hat mich geschnappt
wir rangeln auf dem Boden
bis es mich im Schwitzkasten hat
die Panik übermannt mich
ich strauchel und

kämpfe
kämpfe
kämpfe

bis ich merke, dass sie gut ist
diese Umarmung
erschöpft sinke ich hinein
und flüstere in
seine Schulterbeuge:
"Eigentlich schön, das mit uns Beiden.
Du kannst bleiben"



Sonntag, 21. Februar 2010

Katzenstimmung




Der Tag danach


Noch benommen schaut man in den Spiegel

findet sich

grässlich und

fremd

fährt mit der Zunge über die Zähne

analysiert die Schichten des Belags

leichtes Rumoren im Magen, gefolgt

vom Würgen in der Kehle

Erschließung des Ablaufes des Abends durch einige Indizien:

die Schürfwunden, die Ellenbogenschmerzen, die heisere Stimme,

sowie Löcher in der Strumpfhose, die auf dem Boden liegt wie all die anderen

mehr oder weniger bekannten

Kleidungsstücke

auch

der Blick auf die nicht ganz nackten Beine und Arme verrät

die Bearbeitung mit einem Permanentmarker, während

die Erinnerung alles andere als bleibend ist

sie verflüchtigt sich bei jedem Kopfschütteln und Augen reiben

schon beim Zähneputzen scheint alles wie weggewischt

aber der zweite Blick in den Spiegel zeigt,

dass etwas anderes andauert, für das sich das Chaos lohnt und

dass auch die Sturmfrisur in ein anderes Licht rückt:

ein Gesicht, gut gelaunt


Freitag, 19. Februar 2010

2 x Ich





Erstes Spiegelbild begrüßt,
zweites direkt daneben
kurz angelächelt
die zwei verstehen sich nicht
ignorieren sich gegenseitig
treffen nicht zusammen
du springst hin und her
willst jedem gerecht werden
beiden Teilen
gleichviel
es zerreißt dich
förmlich
buchstäblich

wenn du dort bist
fehlst du auf der anderen Seite
wechselt du
bist du nicht überall

du lächelst nicht
winkst nicht einmal
als alles zu Bruch geht
jetzt ist die Chance da sich neu zusammenzubauen

stattdessen
kehrst du die Scherben zur Seite
und gibst auf

Montag, 15. Februar 2010

So Und Nicht Anders




Der kaminrote Van fährt über die Straße.

Kaminrot. Gemütlicher Zufluchtsort in brenzligen Situationen.

Zwei Mädchen in ihm, die eine braunhaarig, mit dicker, bunter Wollmütze auf dem Kopf, den Blick halb auf die Straße gerichtet, halb auf das blonde Mädchen neben ihr, dass sich hinter riesengroßen Sonnenbrillengläsern verbirgt. Sie hat die nackten Beine auf dem Armaturenbrett ausgestreckt, die morgendliche Sonne scheint auf die feuerrot lackierten Fußnägel. Ab und zu wackelt sie mit ihnen hin und her, um ihr Einschlafen zu vermeiden.

Im Innenraum hinter ihnen herrscht organisiertes Chaos. Die in Plastik gehüllte Matratze lehnt am improvisierten Schrank, einer (von h&m stibitzten) Kleiderstange, ein Korb voller Schuhe steht darunter. Dunkelrote Bettwäsche liegt mehr oder weniger gefaltet auf einem Stapel Kunstzeitschriften, zwei Laptoptaschen kampieren gut gesichert in einem Korb voller buntgemusterten Leggins, während der ganze Innenraum des Wagens, wie plakatiert erscheint, weil die Menge der an jeglichen Oberflächen geklebten Flyer im Lippenstift verzierten, unsicher an die Wand gelehnten Ganzkörper-Spiegel, noch unendlicher wirkt.

Das blonde Mädchen greift hinter sich, in den Untergrund der Sitze und holt einen Schokoriegel hervor. Während des Auspackens, dreht sie die Lautstärke des Radios auf und kurbelt eines der Fenster runter. Wortlos reicht sie die Schokolade nach links weiter und fängt mit vollem Mund an, eine ihrer Ansicht nach höchst interessante, wie immer verrückte Geschichte zu erzählen. Der Van schlingert nur ein paar Mal, als beide sich vor Lachanfällen schütteln und die Windschutzscheibe mit Cola und Eistee besprenkeln.


schweigen, lachen

schweigen, reden

ausruhen, aufregen

erfahren, planen

diskutieren, leben


Unerklärlich, wie es sein kann, dass in einem kleinen Van

so viele Dinge

weitaus unkomplizierter sind, als in der Welt da draußen.

Irgendwann fragt die eine die andere:

„Und wo sollen wir hin?“

und der anderen fällt irgendwas ein.

Irgendetwas

weil hier zusammen für sie alles so einfach ist.

einmal auf diesem Weg,

ist es egal wohin.

das Leben läuft überall auf sie zu und

Sie denken sich:


wenn sie ihm entgegenfahren,

treffen sie es vielleicht früher.

ohne Sinn und Verstand

zu kompliziert, deine Gesten zu deuten
im Hintergrund bleiben
um nicht mit falschen Gedanken Chaos anzurichten
währenddessen
ein bisschen schwitzfrieren
die Übermüdung übermannt mich gleich
ein wenig kann ich
mich noch zusammennehmen

klein und zusammengepresst
in meiner Gefühlskonservendose


frische Luft weht nur von Bewegung
also gestikuliere ich wild
ohne Kopf und Sinn
ich kann nicht verhindern
dass ich so
angestrengt wirke

mein Standbymodus ist, glaube ich, kaputt

niemand gibt Garantie darauf
problemlos
zu funktionieren
so muss ich mit diesem Theater vorlieb nehmen
und hoffen, dass ich dir
beim Erzählen
der nächsten Geschichte
nicht
die Brille vom Kopf schlage

Sonntag, 7. Februar 2010

unsere Kämpfernatur


Tod Verderben Sterben

Harte Worte

diese Orte zu

verlassen

die wir hassen

doch können wir nicht unterlassen

zurückzublicken

nur zögernd zu nicken

als die Pforte sich öffnet, dann schließt

mit einem Knall

in diesem Fall

ist man nervös

monströser Anblick

dieser Gott

diese Allmacht

doch lacht

er bei unserm Leiden

nur um zu vermeiden

dass wir unglücklich bleiben

er weiß, dass es besser wird

deswegen schiebt er uns zur Tür

hinaus

aus seinem ganz persönlichen Haus

weil unsere Zeit

- nur weil wir aufgeben -

noch nicht zu Ende ist

wir sehen die Notwendigkeit der Standpauke ein

kehren zurück

und hören von oben die Stimme

die mit Nachdruck befiehlt:


„Weitermachen“



wissen, nicht fürchten

Schmerz
darf nicht wegtreiben...

er darf nicht taub machen...

fühlen, aushalten, weinen, trauern
so verschwindet er
nicht auf der Flucht sein, das schwächt
den Schmerz im Rücken
anstatt in der Hand
beim Fortlaufen
kriegt er uns

von Angesicht zu Angesicht ist der Blick
zuerst
höllisch brennend
doch dann wird er kleinlaut,
senkt selbst das Gesicht

Er wird angeschrieen. laut und wütend.
Kapitulation kennt man von ihm gar nicht
weil nie mit ihm gekämpft wird
es wird geflohen
er schwebt in jedem Kopf herum
ist in Reichweite, auf der Schulter
auf der Zunge

Aber so bitter muss er nicht schmecken

Montag, 1. Februar 2010

Erste Hilfe



draußen wird es weißer


Fleck für Fleck

Flocke um Flocke


ich sitze hier drinnen, schneide mir

die Fingernägel für meine Schreibmaschine, damit

nicht immer dieses aufreibende Klackergeräusch

zu hören ist und denke über

so komplexe Sachen nach, dass

mir der Kopf dabei schwirrt

zwischendurch werfe ich einen Blick auf das Papier

und merke, dass das Farbband schon reichlich abgenutzt ist

und nur noch manche Buchstaben

in schwarz aufschlägt

andere

hinterlassen nur ihre Konturen!

farblos

nur Konturen zu hinterlassen

was für eine Metapher für das Leben

tiefe Themen für einen Samstagmorgen, der

erst um 15 Uhr begann, denke ich mir

und entscheide mich dazu

lieber die komplexen Schneekristalle

zu betrachten

als das komplexe Leben

zu verstehen.


dahingehend denke ich mir noch:

drüber schreiben

das hilft