Eine viertel Drehung und ich sehe es auf mich zukommen: Das Glück Ich nehme reiß aus und
laufe laufe laufe
bis zum Horizont und als da Schluss ist umrunde ich die ganze Welt mit gehetztem Blick zurück ohne wahrzunehmen
in gezwungenen Pausen verstecke ich mich überall dort wo das Glück bestimmt keinen Einlass hat
und dann flüchte ich weiter und renne um mein Leben
doch plötzlich haut es mich um ich habe nicht aufgepasst es hat mich geschnappt wir rangeln auf dem Boden bis es mich im Schwitzkasten hat die Panik übermannt mich ich strauchel und
kämpfe kämpfe kämpfe
bis ich merke, dass sie gut ist diese Umarmung erschöpft sinke ich hinein und flüstere in seine Schulterbeuge: "Eigentlich schön,das mit uns Beiden. Du kannst bleiben"
Erstes Spiegelbild begrüßt, zweites direkt daneben kurz angelächelt die zwei verstehen sich nicht ignorieren sich gegenseitig treffen nicht zusammen du springst hin und her willst jedem gerecht werden beiden Teilen gleichviel es zerreißt dich förmlich buchstäblich
wenn du dort bist fehlst du auf der anderen Seite wechselt du bist du nicht überall
du lächelst nicht winkst nicht einmal als alles zu Bruch geht jetzt ist die Chance da sich neu zusammenzubauen
stattdessen kehrst du die Scherben zur Seite und gibst auf
Kaminrot. Gemütlicher Zufluchtsort in brenzligen Situationen.
Zwei Mädchen in ihm, die eine braunhaarig, mit dicker, bunter Wollmütze auf dem Kopf, den Blick halb auf die Straße gerichtet, halb auf das blonde Mädchen neben ihr, dass sich hinter riesengroßen Sonnenbrillengläsern verbirgt. Sie hat die nackten Beine auf dem Armaturenbrett ausgestreckt, die morgendliche Sonne scheint auf die feuerrot lackierten Fußnägel. Ab und zu wackelt sie mit ihnen hin und her, um ihr Einschlafen zu vermeiden.
Im Innenraum hinter ihnen herrscht organisiertes Chaos. Die in Plastik gehüllte Matratze lehnt am improvisierten Schrank, einer (von h&m stibitzten) Kleiderstange, ein Korb voller Schuhe steht darunter. Dunkelrote Bettwäsche liegt mehr oder weniger gefaltet auf einem Stapel Kunstzeitschriften, zwei Laptoptaschen kampieren gut gesichert in einem Korb voller buntgemusterten Leggins, während der ganze Innenraum des Wagens, wie plakatiert erscheint, weil die Menge der an jeglichen Oberflächen geklebten Flyer im Lippenstift verzierten, unsicher an die Wand gelehnten Ganzkörper-Spiegel, noch unendlicher wirkt.
Das blonde Mädchen greift hinter sich, in den Untergrund der Sitze und holt einen Schokoriegel hervor. Während des Auspackens, dreht sie die Lautstärke des Radios auf und kurbelt eines der Fenster runter. Wortlos reicht sie die Schokolade nach links weiter und fängt mit vollem Mund an, eine ihrer Ansicht nach höchst interessante, wie immer verrückte Geschichte zu erzählen. Der Van schlingert nur ein paar Mal, als beide sich vor Lachanfällen schütteln und die Windschutzscheibe mit Cola und Eistee besprenkeln.
schweigen, lachen
schweigen, reden
ausruhen, aufregen
erfahren, planen
diskutieren, leben
Unerklärlich, wie es sein kann, dass in einem kleinen Van
so viele Dinge
weitaus unkomplizierter sind, als in der Welt da draußen.
zu kompliziert, deine Gesten zu deuten im Hintergrund bleiben um nicht mit falschen Gedanken Chaos anzurichten währenddessen ein bisschen schwitzfrieren die Übermüdung übermannt mich gleich ein wenig kann ich mich noch zusammennehmen
klein und zusammengepresst in meiner Gefühlskonservendose
frische Luft weht nur von Bewegung also gestikuliere ich wild ohne Kopf und Sinn ich kann nicht verhindern dass ich so angestrengt wirke
mein Standbymodus ist, glaube ich, kaputt
niemand gibt Garantie darauf problemlos zu funktionieren so muss ich mit diesem Theater vorlieb nehmen und hoffen, dass ich dir beim Erzählen der nächsten Geschichte nicht die Brille vom Kopf schlage
fühlen, aushalten, weinen, trauern so verschwindet er nicht auf der Flucht sein, das schwächt den Schmerz im Rücken anstatt in der Hand beim Fortlaufen kriegt er uns
von Angesicht zu Angesicht ist der Blick zuerst höllisch brennend doch dann wird er kleinlaut, senkt selbst das Gesicht
Er wird angeschrieen. laut und wütend. Kapitulation kennt man von ihm gar nicht weil nie mit ihm gekämpft wird es wird geflohen er schwebt in jedem Kopf herum ist in Reichweite, auf der Schulter auf der Zunge