die Welt dreht sich so gern um sich selbst

Montag, 15. Februar 2010

So Und Nicht Anders




Der kaminrote Van fährt über die Straße.

Kaminrot. Gemütlicher Zufluchtsort in brenzligen Situationen.

Zwei Mädchen in ihm, die eine braunhaarig, mit dicker, bunter Wollmütze auf dem Kopf, den Blick halb auf die Straße gerichtet, halb auf das blonde Mädchen neben ihr, dass sich hinter riesengroßen Sonnenbrillengläsern verbirgt. Sie hat die nackten Beine auf dem Armaturenbrett ausgestreckt, die morgendliche Sonne scheint auf die feuerrot lackierten Fußnägel. Ab und zu wackelt sie mit ihnen hin und her, um ihr Einschlafen zu vermeiden.

Im Innenraum hinter ihnen herrscht organisiertes Chaos. Die in Plastik gehüllte Matratze lehnt am improvisierten Schrank, einer (von h&m stibitzten) Kleiderstange, ein Korb voller Schuhe steht darunter. Dunkelrote Bettwäsche liegt mehr oder weniger gefaltet auf einem Stapel Kunstzeitschriften, zwei Laptoptaschen kampieren gut gesichert in einem Korb voller buntgemusterten Leggins, während der ganze Innenraum des Wagens, wie plakatiert erscheint, weil die Menge der an jeglichen Oberflächen geklebten Flyer im Lippenstift verzierten, unsicher an die Wand gelehnten Ganzkörper-Spiegel, noch unendlicher wirkt.

Das blonde Mädchen greift hinter sich, in den Untergrund der Sitze und holt einen Schokoriegel hervor. Während des Auspackens, dreht sie die Lautstärke des Radios auf und kurbelt eines der Fenster runter. Wortlos reicht sie die Schokolade nach links weiter und fängt mit vollem Mund an, eine ihrer Ansicht nach höchst interessante, wie immer verrückte Geschichte zu erzählen. Der Van schlingert nur ein paar Mal, als beide sich vor Lachanfällen schütteln und die Windschutzscheibe mit Cola und Eistee besprenkeln.


schweigen, lachen

schweigen, reden

ausruhen, aufregen

erfahren, planen

diskutieren, leben


Unerklärlich, wie es sein kann, dass in einem kleinen Van

so viele Dinge

weitaus unkomplizierter sind, als in der Welt da draußen.

Irgendwann fragt die eine die andere:

„Und wo sollen wir hin?“

und der anderen fällt irgendwas ein.

Irgendetwas

weil hier zusammen für sie alles so einfach ist.

einmal auf diesem Weg,

ist es egal wohin.

das Leben läuft überall auf sie zu und

Sie denken sich:


wenn sie ihm entgegenfahren,

treffen sie es vielleicht früher.

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