die Welt dreht sich so gern um sich selbst

Sonntag, 30. Januar 2011

Auf Rosen gebettet, ein Dorn im Auge.

 an dem Stoff aus dem die Träume sind
 da näht das Schicksal schon lang dran herum
 immer reißt die eine Naht
 und bald ist die Zeit um
 da müssen wir unsere Träume selber weiter stricken
um nicht am Garn zu ersticken
das uns das Leben hinterher wirft
sondern hübsch auszusehen und es warm zu haben
in dem ganzen Chaos

Sonntag, 16. Januar 2011

how to do smalltalk with a junkee


Senefelderplatz. Statt des Schienenersatzverkehrs verkehrt die U2 wieder in ihren gewohnten Bahnen. So findet man sich Sonntagabend auf retro-schicken rosa-gemusterten U-Bahn-Polstern wieder. Direkt gegenüber ein Bild von einem weiblichen Junke, Augen ausgehöhlt, Gesicht eingefallen, Plateau-Sneakers an den unaufhörlich wippenden Beinen und ein hysterisches Lachen mit nicht erkenntlichen Auslösern. Besonders lustig findet die dürre Frau ihr Spiegelbild, in das sie blickt, als sie ihre übrig gebliebenen Haare zurecht zupft und dabei mit der Zigarette über ihre Augenbrauen streift. Ob sie sich erkennt ist fraglich, ihr ungläubiger Blick zu ihrem rechten Sitzpartner ist genauso ernst, wie der zur Haltestange links von ihr. Zwischendurch versucht man ein leichtes Lächeln, um bloß keine Verschwörungstheorien in ihr zu wecken, sie scheint es sogar durch den Schleier der Halluzinationen wahr zu nehmen, denn ihr Blick bleibt kurzweilig irgendwo in Gesichtsnähe hängen. Plötzlich fixiert sie einen, lacht fast sympathisch (zerstört es kurz darauf aber mit einem Zähnefletschen) und fragt: Hey, dich kenn ich doch von der Sonderschule, oder?

Nein, eher nicht. Aber danke der Nachfrage.

Zeit geschieht nicht einfach so


Ich kann es nicht erwarten, bis der Zeiger klickt,
die innere Uhr gegen den Uhrzeiger tickt.

Es zerreißt das Trommelfell,
zerschmettert Membranen,
zündet Flimmerhärchen an
und macht uns taub

die tickende Zeit

BOMBE

wird reingeworfen in die Runde:
Wie lange noch? Wann kommst du wieder
und schlägst die Zeit endlich tot?
Ich gebe dir meinen Zeigestock
du kannst ihn zerschmettern,
bis zur Unkenntlichkeit und bis wir nicht mehr wissen,
ob wir uns in Tag oder Nacht rumtreiben
und in Wut und Argwohn bleiben

Misstraue dem Zeitgeschehen!
Ich foltere es, bis es Wahrheit spricht
und sein Gesicht in Einzelteile bricht,
transparent und
hilflos, nackt,
enthüllt es sein Wesen im Kern,
den wir zerstören mit einem

SCHLAG

auf den Kopf
an den wir den Lauf des Revolvers halten

und der Lauf der Zeit ist eine
brutale Sache.