Die robuste, rothaarige Fleischverkäuferin fragt mich, mit einem liebenswürdigen Lächeln, nach meinem Wunsch.
„250 g Leben, bitte!“, antworte ich. „Aber gerne.“, sagt die Frau, nimmt ein großes Stück Wurst in die Hand und geht zur Maschine, um sie in Scheiben zu schneiden. Da überlegte ich es mir anders, weil ich so ein mulmiges Gefühl im Bauch bekomme und rufe schnell:
„Lassen sie es doch lieber am Stück, ich nehme dann das ganze Kilo.“Die Frau dreht sich ruckartig zu mir um und starrt mich böse an. Sie pfeffert die Wurst in die Ecke, greift erneut in die Auslage und holte ein gutes Pfund Hackfleisch hervor. Sie klatschte es mir in die Hand und sagte: „Hier, bitte sehr.“Ich will mich beschweren, verstehe nichts und setze zum Reden an, aber da werde ich schon von zwei Sicherheitsleuten im Hot-Dog-Kostüm hinausbegleitet.
Aha. Sehr aufschlussreich ( Irgendwie bereue ich es, diesen Traum aufgeschrieben zu haben.) Dennoch versuche ich mich mal an einer gewagten Deutung, die mir so in den Sinn kommt: Ich habe bis jetzt in den Jahren meiner Geburt kleine Dinge des Lebens „verputzt“, also so etwa 250 g an Möglichkeiten genutzt, die mir entgegen kamen. Nun wird mir aber klar, dass ich viel mehr möchte, weil es einzelne Scheiben nicht so bringen und sie auch nicht wirklich satt machen. Ich werde als gierig und frage nach mehr Fleisch (übersetzt frage ich: „Was hat das Leben noch zu bieten?“) und über diese Dreistigkeit ist die Fleischfachverkäuferin (Sehen wir sie als ein Symbol für das „Schicksal“, nicht für Gott, das wäre nun wirklich blasphemisch) und hackt mein Leben in kleine Stücke.
Hallo? Mein Leben wird zu Hackfleisch verarbeitet! Ich werde um Fleischfachverkäuferinnen die nächsten Tage einen großen Bogen machen und mein Leben in der Tiefkühlabteilung kaufen. Und meine Wurst.Ach, solche Symbolik und Metapherscheiße verwirrt doch nur. In mein Traumtagebuch (Klebezettel mit unleserlicher Schrift auf dem Nachttisch) habe ich folgende Moral eingetragen: Wenn du alles (oder zumindest viel) vom Leben willst, darfst du dich von Störfaktoren nicht zu Hackfleisch machen lassen. Klingt jetzt irgendwie voll leicht. Lass keinen mit der Axt an dich ran und frage Tramper immer, ob sie gar nicht zum Bahnhof sondern dich später in Stücke hacken wollen.
Aber ich nehme grundsätzlich keine Tramper mit. Schon gar nicht welche mit einer Axt.
Übertragen soll die ganze Sache natürlich viel eher bedeuten: Lass dich nicht unterkriegen und bade schon gar nicht im Selbstmitleid (das ist nämlich eine ätzende Säure, die dich dünnhäutig macht und weichspült)
Leichter gesagt als getan. Rumheulen erleichtert und dramatische Szenen machen sowieso viel mehr Laune, wenn man sich richtig schön reinsteigert (Scheiß Hollywoodvorbilder).
Aber ich möchte mein neues Konzept dennoch versuchen:
Wie viel Zeit und Freude gewinne ich, wenn ich jammern, aufregen und Pessimismus sein lasse und wie schwierig ist es das durchzuhalten?
Und wie viel Schmollmund ist für ein Mona Lisa-Lächeln noch angebracht?
(Die strahlt nämlich auch nicht über beide Ohren!)
„250 g Leben, bitte!“, antworte ich. „Aber gerne.“, sagt die Frau, nimmt ein großes Stück Wurst in die Hand und geht zur Maschine, um sie in Scheiben zu schneiden. Da überlegte ich es mir anders, weil ich so ein mulmiges Gefühl im Bauch bekomme und rufe schnell:
„Lassen sie es doch lieber am Stück, ich nehme dann das ganze Kilo.“Die Frau dreht sich ruckartig zu mir um und starrt mich böse an. Sie pfeffert die Wurst in die Ecke, greift erneut in die Auslage und holte ein gutes Pfund Hackfleisch hervor. Sie klatschte es mir in die Hand und sagte: „Hier, bitte sehr.“Ich will mich beschweren, verstehe nichts und setze zum Reden an, aber da werde ich schon von zwei Sicherheitsleuten im Hot-Dog-Kostüm hinausbegleitet.
Aha. Sehr aufschlussreich ( Irgendwie bereue ich es, diesen Traum aufgeschrieben zu haben.) Dennoch versuche ich mich mal an einer gewagten Deutung, die mir so in den Sinn kommt: Ich habe bis jetzt in den Jahren meiner Geburt kleine Dinge des Lebens „verputzt“, also so etwa 250 g an Möglichkeiten genutzt, die mir entgegen kamen. Nun wird mir aber klar, dass ich viel mehr möchte, weil es einzelne Scheiben nicht so bringen und sie auch nicht wirklich satt machen. Ich werde als gierig und frage nach mehr Fleisch (übersetzt frage ich: „Was hat das Leben noch zu bieten?“) und über diese Dreistigkeit ist die Fleischfachverkäuferin (Sehen wir sie als ein Symbol für das „Schicksal“, nicht für Gott, das wäre nun wirklich blasphemisch) und hackt mein Leben in kleine Stücke.
Hallo? Mein Leben wird zu Hackfleisch verarbeitet! Ich werde um Fleischfachverkäuferinnen die nächsten Tage einen großen Bogen machen und mein Leben in der Tiefkühlabteilung kaufen. Und meine Wurst.Ach, solche Symbolik und Metapherscheiße verwirrt doch nur. In mein Traumtagebuch (Klebezettel mit unleserlicher Schrift auf dem Nachttisch) habe ich folgende Moral eingetragen: Wenn du alles (oder zumindest viel) vom Leben willst, darfst du dich von Störfaktoren nicht zu Hackfleisch machen lassen. Klingt jetzt irgendwie voll leicht. Lass keinen mit der Axt an dich ran und frage Tramper immer, ob sie gar nicht zum Bahnhof sondern dich später in Stücke hacken wollen.
Aber ich nehme grundsätzlich keine Tramper mit. Schon gar nicht welche mit einer Axt.
Übertragen soll die ganze Sache natürlich viel eher bedeuten: Lass dich nicht unterkriegen und bade schon gar nicht im Selbstmitleid (das ist nämlich eine ätzende Säure, die dich dünnhäutig macht und weichspült)
Leichter gesagt als getan. Rumheulen erleichtert und dramatische Szenen machen sowieso viel mehr Laune, wenn man sich richtig schön reinsteigert (Scheiß Hollywoodvorbilder).
Aber ich möchte mein neues Konzept dennoch versuchen:
Wie viel Zeit und Freude gewinne ich, wenn ich jammern, aufregen und Pessimismus sein lasse und wie schwierig ist es das durchzuhalten?
Und wie viel Schmollmund ist für ein Mona Lisa-Lächeln noch angebracht?
(Die strahlt nämlich auch nicht über beide Ohren!)



3 Kommentare:
... ich werde diese Hackfleischmetpaher lebend in kanzelierter Form irgendwann genusshäppchenweise in wohlfeile Worte gießen ... sehr inspirierend! SilentWalker
du verrücktes huhn! du spricht mir aus der seele:)
Wenn ich schon nicht in der Nähe bin, um über Gott, die Welt und unsere Träume zu reden, dann finde ich es umso schöner, hier an ihnen teilhaben zu dürfen :) Kuss an dich :*
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