Senefelderplatz. Statt des Schienenersatzverkehrs verkehrt die U2 wieder in ihren gewohnten Bahnen. So findet man sich Sonntagabend auf retro-schicken rosa-gemusterten U-Bahn-Polstern wieder. Direkt gegenüber ein Bild von einem weiblichen Junke, Augen ausgehöhlt, Gesicht eingefallen, Plateau-Sneakers an den unaufhörlich wippenden Beinen und ein hysterisches Lachen mit nicht erkenntlichen Auslösern. Besonders lustig findet die dürre Frau ihr Spiegelbild, in das sie blickt, als sie ihre übrig gebliebenen Haare zurecht zupft und dabei mit der Zigarette über ihre Augenbrauen streift. Ob sie sich erkennt ist fraglich, ihr ungläubiger Blick zu ihrem rechten Sitzpartner ist genauso ernst, wie der zur Haltestange links von ihr. Zwischendurch versucht man ein leichtes Lächeln, um bloß keine Verschwörungstheorien in ihr zu wecken, sie scheint es sogar durch den Schleier der Halluzinationen wahr zu nehmen, denn ihr Blick bleibt kurzweilig irgendwo in Gesichtsnähe hängen. Plötzlich fixiert sie einen, lacht fast sympathisch (zerstört es kurz darauf aber mit einem Zähnefletschen) und fragt: Hey, dich kenn ich doch von der Sonderschule, oder?
Nein, eher nicht. Aber danke der Nachfrage.

1 Kommentar:
Big "B" ist nun wahrlich eine andere Welt als das Little "B" ..... sacht eina, der beide Welten fromm durchlebt hat.
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